Meine Papierwelt

Glanzbild01

 

Ein Stückchen heile Welt,

die Zeit der Oblaten, auch Glanz- Lack- Rosenbilder- oder Vielliebchen genannt, begann, als man  Buntdrucke in großen Auflagen herstellen konnte. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Erfinder des Steindrucks war A.Senefelder. In Frankreich (Paris) entwickelte man das Verfahren des Bunt-Steindruckes, der so genannten Chromolithografie. kleinDie dampfgetriebenen Druckpressen hielten Einzug und so wurde es möglich, die bunten Bildchen in Massen herzustellen. Dieses führte nun auch dazu, dass sie preiswert angeboten werden konnten und der breiten Gesellschaft zur Verfügung standen. Es entstand ein neues und herrliches Sammelgebiet für Jung und Alt. Das liebliche Kind in seiner hübschen Kleidung. Oder die Weihnachtszeit mit Engel und Weihnachtsmann, alles spiegelt einfach ein Stück  heile Welt. Diese wurde verewigt in Poesie und Sammelalben, auf Karten und Briefpapier, als Weihnachtsschmuck und sogar auf Lampen, Möbeln und Schachteln usw. Das war das so genannte Decoupagé, was in Frankreich, England und Holland schon im 19.  Jahrhundert sehr beliebt war. Auch auf Visitenkarten, bekannt auch als Calling cards, waren zarte Hände, und feine Blumen  zu sehen. Wer in alten Alben blättert, kann sich dem Charme einer Welt mit dem trauten Zusammensein, lieblichen Kindern, Tieren, Blumen nicht entziehen. Mit dem ersten Weltkrieg 1914 endete leider auch die große Zeit der Oblaten-Glanzbilder. In England/USA heißen sie Sraps-Die cuts, in Frankreich Chromos, in Holland, Schweden, Finnland Bokmärken, oder Poezieplaatjes. Aber produziert wurden sie hauptsächlich in Deutschland (Berlin) und England (London). Die Sammelleidenschaft war in England und den Beneluxländern sowie Skandinavien noch größer als in Deutschland, und es sammelten dort mehrsnowangel Erwachsene als Kinder. Es war die Belle Epoque, die schöne Epoche. Das kunstvolle Einkleben der Glanzbilder oder Scraps entwickelte sich zu einem Freizeitvergnügen der besonderen Art. Schaut man sich heute die alten Scrapbooks oder Alben an, dann erkennt man, dass alles, was einem lieb und teuer war, verewigt wurde. Egal, ob Zeitungsausschnitte, Karten, Labels, Sammelbilder, alles wurde sorgfältig eingeklebt, beschriftet oder sogar mit Gedichten bestückt und behütet wie ein Schatz. In Deutschland dagegen, waren es fast nur die Kinder, die sich mit den schönen Bildchen beschäftigten.  Es wurde getauscht, gesammelt und ins Poesiealbum eingeklebt. In meiner Zeit, den 60iger Jahren, wurden volle Schreibhefte als Aufbewahrungsort bevorzugt. Jede Seite wurde einmal geknickt, und die Bilder fanden ihren sicheren Platz. In die Mitte des Heftes, wo die Seite doppelt war, kamen die herrlichen Glanzbilder mit viel Glimmer und auf die letzten Seiten die doppelten zum Tauschen. Wie stolz war man, wenn man wieder eine neue Rarität ergattert hatte! Die Bögen gab es für 20 und 30 Pfennig und diese wurden dann sorgfältig auseinander geschnitten, was heute für uns Sammler eine große Sünde wäre! Niemals einen kompletten Bogen zerschneiden! Man kann erkennen, wo einzelne Bilder hingehören oder wie so ein Bogen komplett aussah. Das wiederum kann man an Sammelfreunde weitergeben, sodass jeder langsam, aber sicher so eine Sammlung komplettieren kann. Die große Zeit der Glanzbilder lag zwischen 1870 und 1910. In dieser Zeit entstanden all die herrlichen und romantischen Szenen mit Blumen, Engeln, Kindern und Tieren. Nach Beginn des 1. Weltkrieges änderte es sich schlagartig. Die Weltwirtschaftskrise in den 20iger Jahren zwang sehr viele Hersteller-Firmen zur Aufgabe. Dadurch wurde auch das Freizeitverhalten sehr stark verändert. Man klebte keine Poesiebildchen mehr ein, sondern fing an, die andere Seite des Lebens zu genießen, Radio zu hören oder Filmtheater zu besuchen. Dann in den 50iger Jahren fing die Zeit mit Poesiealben und Glanzbildern wieder an. Moderne Glanzbilder hielten Einzug. Krüger, PZB, EAS, WK usw. Leider hielten sich die Firmen auch nur noch bis kurz in die 80callingcardiger Jahre. Dann war Schluss! Heute gibt es nur noch zwei Firmen, die Ganzbilder herstellen. Freihoff/EF in Deutschland und Mamelock/MLP in England. Viele sehr alte Glanzbilder wurden von diesen beiden Firmen als Repro neu aufgelegt. Sie sind eine Erinnerung an die gute, alte Zeit, aber sie werden leider nie die Pracht der alten Glanzbilder erreichen.